GESCHICHTE. Trotz der zahlreichen Probleme mit denen die Stadt zu kämpfen hatte, kam es seit dem Ende des 18.  Jahrhunderts zu gravierenden Umänderungen im Bereich des Handwerks und des Handels ...

Immer deutlicher wurde die von England ausgehende Industrielle Revolution auch in Steyr spürbar und immer deutlicher traf sie auch auf Gegenliebe. So entstand aus den vier Rohrhämmern in Unterhimmel 1786 eine Gewehrfabrik. Im gleichen Jahr erwarben Daniel Pellet und Anton Schaitter das Dominikanerkloster in dem sie eine Manchester-Baumwollsamtfabrik einrichteten. Ihre Waren wurden nahezu in alle Kronländer der Monarchie geliefert. Im Stadtteil Pyrach errichteten die Brüder Reithoffer eine riesige Gummifabrik, aus der später die Semperitwerke in Traiskirchen hervorgingen. Von den Fabrikbetrieben, die im 19. Jahrhundert entstanden, ist jene von Leopold und seinem Sohn Josef Werndl wohl die wichtigste.

Foto: Josef Werndl


Seit 1830 erzeugte er in seinem Werk in Letten bei Steyr Gewehrbestandteile und Bajonette. Josef und Franz erweiterten ab 1864 die Firma beträchtlich und übersiedelten mit ihr nach Steyr. Gemeinsam mit seinem Werkmeister Karl Holub entwickelte Josef Werndl dort ein modernes Hinterladergewehr, welches in kürzester Zeit Weltruf erlangte. In der Blüte des Unternehmens mit dem Namen „Steyrer Waffenfabrikgesellschaft“ fanden um 1890 mehr als 10.000 Arbeiter Beschäftigung. Maßgeblich beteiligt war Josef Werndl auch an der Finanzierung einer Bahnverbindung von St. Valentin ins Ennstal, die 1870 fertig gestellt wurde und als „Kronprinz Rudolf-Bahn“ in die Analen einging.

1884 hatte Steyr als erste Stadt auf dem Kontinent eine Straßenbeleuchtung mit elektrischem Strom aus Wasserkraft. Hintergrund für diese innovative Glanzleistung war eine große Landesausstellung mit den Themen Elektrizität, Industrie, Landwirtschaft und Kultur im selben Jahr.

Foto: Elektrische Ausstellung 1884
Elektrische Ausstellung 1884

Der 1. Weltkrieg brachte viele Entbehrungen für die Stadt. Nach den Kriegsjahren kam keine Besserung. Die Zeit zwischen den Kriegen war durch Wirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit, Geldentwertung, Lebensmittelmangel und Epidemien gekennzeichnet.

1933 war Steyr die ärmste Stadt der jungen Republik Österreich. Ein Jahr später war es Schauplatz der erbitterten Februar-Kämpfe zwischen der Heimwehr und dem Schutzbund im Österreichischen Bürgerkrieg. 10 Tote hatten die Kämpfe auf der Seite des Schutzbundes gefordert, 9 davon waren im Gefecht gefallen.