Noch vor Verschärfung der Corona-Maßnahmen wurden in Steyr wieder Auszeichnungen für besondere Verdienste im Bereich der Denkmalpflege, die sogenannten Steyrer Panther, überreicht. Im Jahr 1998 hat Dr. Hans-Jörg Kaiser, der damalige Leiter der Abteilung für Altstadterhaltung ...

im Magistrat Steyr, den Preis ins Leben gerufen. Seither sind mehr als 60 „Panther“ überreicht worden. In Steyr gibt es insgesamt 726 denkmalgeschützte Objekte, damit ist Steyr die Stadt mit der höchsten Denkmal-Dichte Österreichs.

Im Festsaal des Rathauses sind heuer mit dem Steyrer Panther geehrt worden:

Mag. Angelika Frech für die Fassaden- und Fenstersanierung an der Ennskaiseite der Stadtapotheke (Stadtplatz 7)
Bei diesem Objekt handelt es sich um ein ungewöhnlich reich ausgestaltetes Bürgerhaus, bestehend aus Vorderhaus, Arkadenhof und Hinterhaus, welches in seinem Kern aus dem 16. Jahrhundert stammt. Die in Grautönen gehaltene, gemalte Fassadengestaltung des Hinterhauses am Ennskai – in typisch renaissancezeitlichen Formen – ist bei einer umfassenden Restaurierung 1973 rekonstruiert worden. Seit damals waren an der Fassade keine größeren Sanierungsmaßnahmen vorgenommen worden. Ein größerer Putzschaden im Bereich des Zwischenhauskanals bildete nun den Ausgangspunkt zur Fassadenrestaurierung.

An der Fassade selbst wurden starke Verschmutzungen sowie beginnende Putzschäden festgestellt. Neben stellenweisen Ausbesserungen an den Steinteilen ist vor allem die Putzschicht mit einer Kalklasur gefestigt und abschließend dem Bestand entsprechend mit Kalk gefärbelt worden. Die Fenster hat man ebenfalls getauscht. Anstelle der bisherigen bereits schadhaften Holz-Isolierglasfenster sind nun Holzkastenfenster mit nach innen aufschlagenden Flügeln eingebaut worden. Auch die Metallteile (Steckgitter, Speichertüröffnung) sind fachgerecht restauriert. Mit dieser ausgesprochen gelungenen Sanierung ist ein positiver Akzent am Ennskai gesetzt worden.

Levente Tamas Szora für die Gesamtsanierung des ehemaligen Wohn- und Handwerkerhauses Schuhbodengasse 3
Das Gebäude wurde vor 1480 errichtet, ab 1672 sind die Besitzer durchgehend nachweisbar. 1842 brannte das Gebäude beim großen Stadtbrand von Steyrdorf ab. Es handelt sich um ein kleines zweigeschoßiges Gebäude mit hohem Satteldach. 1959 erfolgte ein tiefgreifender Umbau, der das äußere Erscheinungsbild nachhaltig veränderte. Unter anderem waren damals die Fassadendekorationen entfernt und am Obergeschoß kleinformatige Eternitplatten angebracht worden. Von der historischen Fassadengestaltung war lediglich das reich profilierte Traufgesims erhalten geblieben. Auch die Holzfenster hatte man durch Kunststofffenster ersetzt. Nach dem Erwerb des Hauses, das nicht unter Denkmalschutz steht, hat der jetzige Eigentümer umgehend mit der Sanierung begonnen – in Absprache mit der Magistratsabteilung Altstadterhaltung, Denkmalpflege und Stadterneuerung.

Dabei wurde festgestellt, dass sich im Inneren wesentliche Teile der historischen Bausubstanz erhalten haben. An der straßenseitigen Fassade hat man nach Entfernung der Eternitvertäfelung im ersten Obergeschoß die originale, beinah vollständig erhaltene Dekoration aus dem Jahr 1842 aufgefunden. Im Erdgeschoß sind die unpassenden Fliesen entfernt sowie die ursprünglichen Fensteröffnungen bzw. Fenstergrößen wiederhergestellt worden. Die einflügeligen Kunststofffenster hat man der Biedermeierfassade entsprechend durch Holzkastenfenster mit nach außen aufschlagenden Flügeln ersetzt. Beim Dachgeschoßausbau konnte der historische Dachstuhl aus dem Jahr 1842 erhalten werden. Die große, unpassende Gaupe wurde ebenfalls entfernt, die Belichtung erfolgt nun über Dachflächenfenster. Vor der vorbildlichen und gelungenen Sanierung stellte das Gebäude einen Fremdkörper in der historischen Bebauung der Schuhbodengasse dar.

Architekt Dipl.-Ing. Gerhard Schmid – stellvertretend für alle Beteiligten am Umbau des Innerberger Stadls am Grünmarkt
Mit dem Thema Arbeit – Wohlstand – Macht ist Steyr Schauplatz bei der Landesausstellung 2021, weshalb der Innerberger Stadl und das Neutor zeitgemäß adaptiert und im Sinne der Denkmalpflege restauriert worden sind. Nunmehr hat Steyr einen der innovativsten Museumsbauten Österreichs, bei dem die Anforderungen an zeitgenössische Nutzung in einem der bedeutendsten denkmalgeschützten Wirtschaftsgebäude Österreichs spannend umgesetzt werden konnten.

Das dreigeschoßige Doppelgiebelhaus wurde 1611/12 als Getreide- und Lebensmittelspeicher errichtet. Unmittelbar an den Innerberger Stadl schließt das Neutor an – ein wuchtiger Monumentalbau mit innerer Bausubstanz aus dem 16. Jahrhundert. Bei der Restaurierung der 400 Jahre alten Renaissance-Sgraffitofassade sind die historisch überlieferten Handwerkstechniken angewendet worden. Besonders aufwändig gestaltete sich die Restaurierung sämtlicher Eisenteile. Der Wasserspeier zwischen den Giebeln (nach einem Entwurf von Michael Blümelhuber ausgeführt), die Verdachungen über dem Eingangsportal und dem Fresco sowie die vier Dachreiter wurden erstmals denkmalgerecht restauriert. Auch das Doppeladlerwappen an der Hauptfassade wurde fachgerecht instandgesetzt. Weiters erfolgte die Sanierung der Holztramdecken und des Dachstuhls aus dem 17. Jahrhundert. Der gesamte Dachstuhl wurde wieder gehoben, einzelne Sparren, Balken, Kopfbänder und Knotenverbindungen mussten ausgewechselt werden. Dabei kamen ausschließlich die traditionellen Zimmermannstechniken mit den historischen Holzverbindungen ohne Stahlnägel zur Anwendung.

Alle Ausstellungsräume sind nun barrierefrei erreichbar. Der neue Lift befindet sich im Innenhof und ist von der Fassade abgerückt. So bleibt die rückwärtige Doppelgiebelfassade, die noch Teile des renaissancezeitlichen Originalputzes aus den Errichtungsjahren enthält, möglichst unangetastet. Im seitlichen Innenhof im Bereich des Zwingers wurde der störend wirkende Verbindungstrakt aus den 1950er- Jahren abgebrochen. Neu ist auch der Verbindungsgang zum angrenzenden Haus Bindergasse 4. Die Elektrik und Haustechnik wurden nach aktuellem Stand der Technik erneuert. Bisher war der Innerberger Stadl unbeheizt – jetzt gibt es weniger Temperaturschwankungen in den Räumen.

Alle mit der Restaurierung des Innerberger Stadls beauftragten Professionisten haben ihre Aufgaben vorbildlich ausgeführt. Nur durch die gute Zusammenarbeit und die hohe Qualität der Arbeiten konnte dieses herausragende Ergebnis erzielt werden. Am Großbauprojekt beteiligt waren: Dipl.-Ing. Gerhard Schmid (Architekt), Dr. Augustin Zineder (Projektleiter), Ing. Wolfgang Krebs (Bauleiter), Mayr Bau GmbH – Dzevad Kaltak (Bauleiter) und Gottfried Loibl (Polier), Mag. Josef Weninger (Stein- /Fassadenrestaurator), Franz Mitterhauser (Putz-/Fassadenrestaurator), Dipl.-Ing. Vinzenz Bachmann (Zimmermann), Reinhold Mörtlitz (Tischlerei Hackl), Gerald Fößl (Kunstschmied), Mag. Verena Krehon (Metallrestauratorin), Klaus Rammerstorfer (Holzrestaurator), Gotthard Lipfert (Dachdecker, Spengler), Ulrike Griebler (Putz- /Fassadenrestauratorin), Patrick Pecinovsky (Riegler Metallbau GmbH).