STEYR. Um die Kunst- und Kulturbranche ist es still geworden. Kein Publikum, keine Aufführungen, Konzerte oder Ausstellungen. Große Kulturhäuser können sich teilweise durch Fördergelder und die Unterstützung des Staates über Wasser halten, kleinere Vereine und Kunstbetriebe leiden allerdings stark unter den schwierigen Bedingungen. Hapé Schreiberhuber, Leiter des Styraburg-Festivals und der Steyrer Kunstwoche, gibt einen Einblick in die momentane Lage der Kunst- und Kulturbranche ...

Aufgrund der seit 8. Februar geltenden Regelungen ist es Museen und Ausstellungshäusern mittlerweile wieder möglich, unter strengen Auflagen geöffnet zu haben und Besucher empfangen zu können. Allerdings ist es fraglich, ob man dadurch das Publikum wieder mehr für die Kunst begeistern und sich die Kunstbranche wieder genügend Gehör schaffen kann. „Es tut sich wenig, momentan ist alles sehr trist. Es fühlt sich so an, als müssten sich Solidarbewegungen von Künstlerinnen und Künstlern erst entwickeln“, so Schreiberhuber. „Die Kulturbranche ist jetzt total am Boden. Momentan gibt es keine körperhafte Kultur, außer das Streaming.“

Im Frühjahr 2020 wurde das Styraburg Festival wegen der Corona-Situation abgesagt. Damals hoffte der Steyrer Künstler auf ein Umdenken innerhalb der Gesellschaft. Dieses Umdenken ist in dieser Weise noch nicht wirklich eingetreten, allerdings hofft Schreiberhuber weiter: „Ich bin zuversichtlich, dass es noch ein Umdenken geben wird, speziell dann, wenn diese ‚Normalität‘ wieder eintritt. Vielleicht kann dadurch ein neues Bewusstsein des Menschen entstehen und kein technokratisches Hygiene-Utopia. Es sollte mehr in den Mittelpunkt gerückt werden, wie sehr wir doch voneinander abhängig sind. Kultur ist nicht gesichts- und geschichtslos.“

Wenn man als Rezipient die Kulturbranche in diesen schwierigen Zeiten unterstützen möchte, ist es laut Schreiberhuber besonders wichtig, anwesend zu sein, das momentane Angebot zu nutzen und sich vor allem damit auseinander zu setzen. Die neue Technik, das digitale Zeitalter und die damit zugänglich gewordenen Plattformen und Möglichkeiten sind zwar einerseits ein Segen, andererseits tendiert man dadurch auch dazu, das Altbewährte und die herkömmlichen Medien zu vergessen. Für die Kunst und Kultur ist Begegnung noch immer eines der wichtigsten Dinge, auch wenn diese im Moment nahezu ausschließlich digital und virtuell funktioniert.

Für das Jahr 2021 hat der Mehrspartenkünstler schon einige konkrete Pläne: am 20. März wird das Atelier Hapé Schreiberhuber nach Renovierungsarbeiten seine Pforten im Zuge einer Malerei-Ausstellung wieder öffnen. In der Stadtpfarrkirche Steyr wird am 21. Mai eine Lesung von Dostojewskis „Der Großinquisitor“ stattfinden und auch für das Styraburg Festival, das dieses Jahr voraussichtlich in einem ähnlichen Rahmen wie letztes Jahr abgehalten werden wird, hat bereits das Wiener Arioso Quartett zugesagt.

Man bleibt weiterhin hoffnungsvoll, dass das Publikum die Angebote wahrnimmt und sich wieder ein bisschen auf die Kunst und Kultur einzulassen versucht.

Melanie Gelsinger für e-steyr.com