STEYR. Am Freitag den 19. Juni fand, im Zuge des gemeinsamen Aktionstages der inzwischen 44 vernetzten Verkehrsinitiativen Österreichs, eine Kundgebung der NGO "Grüngürtel statt Westspange" statt. Der Ort der Veranstaltung war das vom Straßenprojekt Westspange Steyr bedrohte Naturgebiet "Schacherl" ...

Zuvor war schon im Namen der Verkehrsinitiativen, im Büro von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler ein gemeinsamer Aufruf übergeben worden, in dem u.a. das Ende von neuen Straßenbauten, als ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der erklärten Klimaziele von Paris (die ja auch Österreich unterschrieben hat), gefordert wurde.

Am Freitag zeigten diese Initiativen österreichweit mit verschiedensten Kundgebungen auf den Straßen, wie ernst sie diese Forderungen nehmen.

Wir, die NGO "Grüngürtel statt Westspange“, organisierten eine Kundgebung der anderen Art. Wir zeigten unter Mitwirkung von Biologen, Landschaftsplanern und anderer Fachleute auf, wie wertvoll der Grüngürtel und die letzten in Steyr vorhandenen Feuchtgebiete für Menschen, Tiere und Pflanzen sind.

Landschaftsplaner DI Markus Kumpfmüller: „Eine vorausschauende Stadtplanung müsste danach trachten, die bestehenden Waldflächen und Kleinbiotope im Nordwesten von Steyr zu erhalten, maßvoll als Naherholungsgebiete zu erschließen und mit einem attraktiven Wanderwegenetz zu verbinden, das von Hecken, Baumreihen und Kleingewässern begleitet wird.“ Kupfermüller war für verschiedene Autobahn- und Umfahrungsstraßen als Gutachter tätig.

Mit dem Bau der Westspange würden die Siedlungen am nördlichen Stadtrand von Steyr nicht nur massiv belastet, sondern auch von ihren Naherholungsräumen abgeschnitten. Am stärksten würden darunter wieder einmal die Bevölkerungsgruppen leiden, die am wenigsten mobil sind: Eltern und Großeltern mit Kindern, kranke und alte Menschen könnten im Schatten der Dämme, auf den Überführungen über den dahinbrausenden LKWs, oder entlang der Schutzzäune und Lärmschutzwände spazieren gehen. Am Beginn einer Planung werden zwar alle möglichen Ausgleichsmaßnahmen versprochen, aber am Ende bleibt eine zerstörte Landschaft zurück, in der niemand mehr sich aufhalten möchte.

Eine vorausschauende Stadtplanung müsste danach trachten, die bestehenden Waldflächen und Kleinbiotope im Nordwesten von Steyr zu erhalten, maßvoll als Naherholungsgebiete zu erschließen und mit einem attraktiven Wanderwegenetz zu verbinden, das von Hecken, Baumreihen und Kleingewässern begleitet wird.“

Biologe Peter Prack: „Dass man in der Klimakrise spezielle, lokale Argumente gegen den Bau einer Schnellstraße sammeln muss, ist empörend.“

Die anwesenden Menschen konnten nur ihre Köpfe schütteln, wenn man sich vorstellt, dass das Juwel eines städtischen Grüngürtels zerstört werden soll.

Univ.-Prof.i.R. Wolfgang Hirschberg hatte errechnet, dass man, um den CO2-Ausstoß des durch die Westspange hinzukommenden Verkehrs durch das Pflanzen von mindestens 150.000 (in Worten hundertfünfzigtausend!) Bäumen ausgleichen müsste! Er stellte die Frage: „Wie kann bei weiterer Förderung des Straßenverkehrs das erklärte Ziel der Klima-Neutralität bis 2040 erreicht werden?“

Landesrat Stefan Kaineder würdigte unser Engagement und unsere Ausdauer. Er war schon vor fünf Jahren bei der Trassenwanderung dabei und ließ es sich auch dieses Mal nicht nehmen, an uns ein paar Worte zu richten. Er ist überzeugt, dass in einem großen Teil der Bevölkerung die Akzeptanz für neue Straßen im Sinken ist, da die Klimaänderung immer markanter sichtbar wird. Er erinnerte daran, dass im "Land am Strome" die Bäche austrocknen, die Wasserstände der Flüsse und der Grundwasserspiegel der Brunnen ständig sinken, was eine direkte Folge der Klimakrise ist.

Des weiteren zitierte Jürgen Hutsteiner eine Studie im Rahmen des Projekts „BEAT – Bodenbedarf für die Ernährungssicherung in Österreich“. In dieser Studie kommt man zu dem Ergebnis, dass in großen Teilen Ostösterreichs die Produktion von Lebensmitteln bis Ende des Jahrhunderts durch die Klimakrise nicht mehr möglich sein wird. Deshalb würde dem oberösterreichischen Zentralraum die Funktion der Kornkammer Österreichs zufallen. Das wird auf Asphalt und Beton allerdings nicht gelingen. In Zeiten, in denen wir es noch nicht einmal ansatzweise schaffen die CO2-Emissionen zu reduzieren, ist der weitere Landschaftsverbrauch eine unverständliche Fahrlässigkeit gegenüber der Natur (und damit uns selbst), vor allem aber gegenüber unseren Nachkommen!

Zum Abschluss der Veranstaltung zeigte sich Michael Regele als neuer Obmann der NGO "Grüngürtel statt Westspange" optimistisch, dass zunehmend auch Vernunft und nicht nur Gier in die Politik einfließen wird, denn gegen die Klimakrise gibt es keinen Impfstoff, sondern nur rasches und konsequentes Handeln!