GASTKOMMENTAR. Hie und da nimmt sich Stadtrat Mario Ritter junge Social-Media Influencerinnen zum Vorbild. Die erreichen bekanntlich mit allerlei selbstgedrehten Ratgeber-Filmchen enorme Reichweiten, sogar mit Tipps zu Lippengloss, Haarschampo und Zehennagellack ...

Das alles erscheint uns Erwachsenen manchmal dumm und banal, in der Regel ist derlei Content aber harmlos.

Der FPÖ-Politiker Ritter ist alles andere als harmlos, aber er dreht auch hie und da Ratgeberfilmchen. Er philosophiert in einem neuem Video auf seinem Facebook-Auftritt über Corona und kommt zum Schluss: „Es handelt sich um eine Erkältungskrankheit.“ Leider hat sich diese Entwarnung noch nicht bis ins Krankenhaus durchgesprochen und zu den dortigen Ärzten und Pflegern. Die haben nämlich, weil sie von der Materie nicht so viel Ahnung haben wie der politisierende Zahnarzt, ganze Stationen neu geschaffen für Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind und es einfach nicht bemerkt: da kratzt doch nur ein paar Hypochondern der Hals oder es rinnt die Nase ein wenig.

Herr Ritter ist empört, dass „der Staat“ uns vorschreibt, wie wir uns bei Symptomen zu verhalten haben. Ja, das ist so eine Sache mit dem Staat. Er schreibt uns allerlei Sachen vor, die den Zweck haben, die Gesellschaft vor unbedachten Einzelpersonen zu schützen, die es mit der Verantwortung nicht so genau nehmen. Er schreibt uns vor, dass wir nicht besoffen mit dem Auto fahren dürfen und aktuell: dass wir zu Hause bleiben müssen, wenn wir infektiös sind und andere Menschen anstecken könnten.

Was ist das Problem in dem Fall: Als Arzt trägt Ritter Verantwortung. Der Titel Dr. med. verleiht ihm in der Öffentlichkeit eine erhöhte Glaubwürdigkeit. Was Ritter erzählt, hat allerdings mit Fakten nichts zu tun. Vielmehr ist es eine Schande für die Zunft der Mediziner. Ritter agiert wie eine Märchengestalt aus 1001 Nacht, die auf einem fliegenden Teppich sitzt und Piloten erklärt, wie man einen Airbus zu steuern hat.

Was auch immer Herrn Ritter reitet, er hat auch als Politiker Verantwortung. Und dazu gehört auch, Menschen nicht zu verantwortungslosem Verhalten zu ermutigen. Die FPÖ wäre gut beraten, ihrem irrlichternden Fraktionskollegen die Leviten zu lesen.

Ein Gastkommentar von Christian Kreil
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