STEYR. Sie befinden sich im getrockneten Gras, Silos oder in Bergen dampfender Hackschnitzel – für Millionen von Sporen und Pilzen bieten feuchtes Heu oder Silagen perfekte Wachstumsbedingungen ...

Vor allem für Landwirte kann die Heufütterungsund Heizperiode in den Wintermonaten eine gesundheitliche Gefährdung darstellen. Die sogenannte Farmerlunge, medizinisch als exogene allergische Alveolitis (EAA) bezeichnet, trifft vor allem jene Personen, die bei ihrer Tätigkeit einer hohen Staubbelastung ausgesetzt sind. Die Symptome reichen von grippeähnlichen fieberhaften Reaktionen bis hin zu schwerer Atemnot.

Bei der exogenen allergischen Alveolitis handelt es sich um eine fortschreitende allergisch bedingte Entzündung der Lungenbläschen, die aufgrund von Inhalation von Schimmelpilzen oder -sporen entsteht. Die Erkrankungsanfälligkeit ist häufig genetisch weitergegeben, wird allerdings durch die wiederholte Einatmung bestimmter Mikroorganismen verstärkt. „Kennzeichnend sind grippeähnliche Symptome wie Husten, gelegentlicher blutiger Auswurf, Fieber, Mattigkeit, Übelkeit oder Kopfschmerzen, die nach der Arbeit im Stall oder beim Einatmen von Staub auftreten“, sagt Prim. Dr. Josef Bolitschek, Leiter der Abteilung für Lungenheilkunde im Landes-Krankenhaus Steyr, „verschwinden die Beschwerden nach etwa einem Tag wieder, dann liegt der Verdacht einer akuten EAA nahe.“

 

Unbehandelt kommt es zur Schädigung der Lunge

Betroffen sind vor allem Landwirte, aber auch Vogelzüchter und alle jene Berufsgruppen, die verstärkt mit, in der Luft befindlichen Sporen und Pilzen in Berührung kommen. „Wer an sich selbst die beschriebenen Symptome erkennen kann, sollte im Zweifelsfall unbedingt ärztlichen Rat einholen.

Die immer wiederkehrende allergisch-entzündliche Reaktion auf bestimmte Stoffe kann auf Dauer zu bleibenden Veränderungen im Lungengewebe führen“, sagt der Fachmann. Es kommt zur Vernarbung und Verdickung an der Wand der Lungenbläschen, sodass der Transport von Sauerstoff ins Blut und der Abtransport von Kohlendioxid über die Lungenbläschen behindert werden. Unbehandelt erzeugt eine chronische EAA also schwere Atemnot, die unter Belastung zunimmt und schwerwiegende Folgeerkrankungen mit sich bringen kann.

 

Diagnose und Therapie

Bei der Diagnose muss neben der genauen Anamnese auch eine Arbeitsplatzbeschreibung und die berufliche Tätigkeit der Patient/-innen miteinbezogen werden. „Um den Schweregrad der Erkrankung festzustellen, unterziehen wir die Lunge einem Funktions- und Belastungstest“, so der Mediziner, „zudem sind hochauflösende Computertomografien der Lunge sowie eine Bronchoskopie und eine Biopsie des Lungengewebes sinnvoll.“

Die medizinische Behandlung ist abhängig vom Stadium der Erkrankung und der Art des Allergens. Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist allerdings die Vermeidung der allergenen Stoffe. Das ist in der Regel ein großes Problem für die Patient/-innen, da eine Umschulung, wie etwa bei einem Landwirt, meist nur sehr schwer möglich ist und auch eine existenzielle Frage ist. Alternativ, wenn auch nicht im gleichen Maße erfolgversprechend, können Atemschutzmasken und Helme bei der Arbeit getragen werden, die die Inhalation der schädlichen Staubstoffe verhindern sollen. Um das Fortschreiten der allergischen Entzündung auszuschließen, ist es zudem sinnvoll, sich regelmäßigen Kontrolluntersuchungen bei Lungenfachärzt/-innen zu unterziehen.

Prim. Dr. Josef Bolitschek, Leiter der Abteilung für Lungenheilkunde am LKH Steyr, warnt vor allergisch bedingten Entzündungen der Lunge. Foto: gespag